15. Dezember 2025

Heißwasser, Kerzen und Co. Verbrennungen richtig versorgen

Der Winter ist eine gefährliche Jahreszeit: In Deutschland erleiden jährlich etwa 30.000 Kinder thermische Verletzungen. In 75% der Fälle sind es Verbrühungen und drei Viertel der betroffenen Kinder sind jünger als vier Jahre. Besonders der Winter, in dem mit heißem Wasser Tee gekocht und wegen Erkältungen inhaliert wird, sowie Kerzen, Ethanol-Öfen und Tannengrün Hochsaison haben, birgt Gefahren. Wertvolle Präventionsarbeit für Eltern leistet Paulinchen e.V. mit sehr gutem Infomaterial für Eltern.

Indikationen zur Verlegung ins Verbrennungszentrum

Die Verlegung in ein spezialisiertes Verbrennungszentrum ist bei einer betroffenen Körperoberfläche von ≥ 15 %, bei mehr als 10 % zweit-gradigen oder mehr als 5 % dritt-gradigen Verbrennungen sowie immer bei viert-gradigen Verbrennungen indiziert. Ebenso erfordern Verbrennungen im Gesicht, an Händen, Füßen, Genitalien oder an großen Gelenken sowie das Vorliegen eines Inhalationstraumas eine Behandlung in einer Spezialklinik. Es drohen die systemische Verbrennungskrankheit (Kapillarleck mit Eiweißverlusten, bakterielle Infektionen, Multiorganversagen) sowie Funktionseinschränkungen durch Narbenbildung bei nicht adäquater Therapie.

Präklinische Sofortmaßnahmen

Unmittelbar nach Eintreffen am Einsatzort müssen Kleidung und Schmuck entfernt werden, um weitere Hitzespeicherung zu verhindern und Strangulationen durch Schwellungen vorzubeugen. Die präklinische Kühlung dient ausschließlich der Analgesie und sollte maximal 10 Minuten mit handwarmem Wasser durchgeführt werden, wobei Stamm und Kopf ausgespart bleiben müssen, um eine Hypothermie zu vermeiden. Begleitverletzungen durch Trauma oder Stromunfälle müssen erkannt und es müssen Prioritäten für die Versorgung festgelegt werden. Begleitverletzungen sind bei Kindern jedoch eher selten.

Sicherung der Vitalfunktionen

Das Atemwegsmanagement steht – wie bei jedem Kindernotfall – im Vordergrund. Die Maskenbeatmung sollte mit altersgerechter Atemfrequenz und einer Sauerstoffsättigung von 94–98 % durchgeführt werden. Einzelheiten bei Problemen bietet unser Newsletter „Bei Beatmungsproblemen: Löffel mit Licht kann Leben retten“.

Nur bei Flammen oder bei extrem heißer Luft droht ein thermisches Inhalationstrauma. Wegweisend sind Verbrennungen im Kopf-Hals-Bereich sowie Ruß im Mund oder im Sputum. Bei Heiserkeit, Husten und bedrohlichem Stridor muss mit einer erheblichen Progredienz gerechnet werden. Im Extremfall ist eine frühzeitige Intubation indiziert, bevor der Atemweg endgültig zugeschwollen ist. Einzelheiten im Newsletter „Schädigungen durch Intubation vermeiden“.

Flüssigkeitstherapie wie immer (!)

Grundsätzlich sind in der Initialphase keine zusätzlichen Flüssigkeitsmengen erforderlich; sie führen regelhaft zur Übertherapie. Die Flüssigkeitstherapie soll, genau wie bei jedem Kindernotfall, mit Vollelektrolytlösungen erfolgen, die normale Natrium- und Kaliumkonzentrationen sowie Azetat statt Lactat enthalten. Der Basisbedarf soll mit der 4-2-1 Regel festgelegt1 oder auf dem Pädiatrischen Notfalllineal PädNFL abgelesen werden. Bei Säuglingen sollte für den Grundbedarf 1% Glucose zugesetzt werden. Bei inadäquater Perfusion werden 10 ml/kg verabreicht und nach Re-Evaluation auch wiederholt durchgeführt. Die Menge muss kontrolliert werden, um eine Überwässerung zu vermeiden.

Schmerztherapie

Die Schmerztherapie ist sehr wesentlich und regelhaft zu wenig. Zäpfchen sind meistens ungeeignet, weil die Wirkung verzögert eintritt und meist zu schwach ist. Effektiv und sicher ist beispielsweise intranasales Fentanyl in einer Dosierung von 1,5-2 µg/kg mittels MAD (Mucosal Atomization Device). Die Dosis der wichtigsten Analgetika kann auf dem PädNFL direkt abgelesen werden.

Beurteilung des Verletzungsausmaßes

Die Beurteilung der betroffenen Körperoberfläche (KOF) unterscheidet sich bei Kindern von der 9er-Regel bei Erwachsenen: Bei Kleinkindern machen der Kopf 18 % (bei älteren Kindern 14 %) und die Beine jeweils 7 % (bei älteren Kindern 8 %) der KOF aus. Häufig wird die KOF überschätzt.

Die Verbrennungstiefe wird in vier Grade eingeteilt: Grad 1 zeigt Rötung und Schwellung mit starken Schmerzen, Grad 2a weist Blasenbildung und prompte Rekapillarisierungszeit mit starken Schmerzen auf, Grad 2b ist blass-feucht mit reduzierter Rekapillarisierungszeit und weniger Schmerzen, Grad 3 präsentiert sich blass-trocken mit teilweiser Verkohlung ohne Schmerzen, und Grad 4 bedeutet Verkohlung über die Haut hinaus mit Beteiligung von Unterhautfettgewebe, Venen, Muskeln oder Knochen. Die Verbrennungstiefe wird häufig unterschätzt, und selbst erfahrene Behandler setzen in der Klinik unterstützende Systeme zur genaueren Beurteilung ein.

Fehler bei der Beurteilung des Verletzungsausmaßes sind in der Präklinik kaum vermeidbar.

Wundversorgung und Hypothermievermeidung

Die Wundversorgung erfolgt mit sterilen metallbeschichteten, nicht-adhäsiven Wundauflagen. Keine lokale Wundbehandlung am Unfallort, keine Salben oder „Hausmittel“ wie Zahnpasta! Die Temperaturkontrolle und der Schutz vor Wärmeverlust sind essenziell, da Hypothermie die Prognose erheblich verschlechtert.

FAZIT

Die präklinische Versorgung schwerbrandverletzter Kinder stellt weniger Anforderungen an das Rettungsteam als oft gedacht. Beispielsweise folgen Flüssigkeitstherapie, Schmerztherapie und das Aufrechterhalten der Vitalfunktionen den gleichen Regeln, wie bei jedem Kindernotfall. Eine frühzeitige Entscheidung zur Verlegung in eine Spezialklinik, konsequente Hypothermievermeidung und adäquate Schmerztherapie sind die Eckpfeiler einer erfolgreichen Versorgung. Bei all diesen Aufgaben unterstützt das PädNFL durch direkt abzulesende Empfehlungen, ohne dass Berechnungen erforderlich sind.

Literatur:

  1. Königs I. S2k-LL 006/128: Behandlung thermischer Verletzungen im Kindesalter (Verbrennung, Verbrühung) AWMF 2024,
    https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/006-128
  2. Klein T, Kaufmann J, Wendenburg W et al. Das brandverletzte Kind. Notfall + Rettungsmedizin 2019; 22: 313–321,
    https://paeder.com/wp-content/uploads/2023/04/PDF_71.pdf

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