21. Februar 2026

Kindliche Akutschmerzen präklinisch sicher behandeln

Schmerz und Stress sind nicht nur „unangenehm“, sondern führen auch zu massiven physiologischen Reaktionen. Je kleiner die Kinder sind, desto erheblicher können die kurz- und langfristigen Folgen sein1. Eine konsequente Schmerztherapie und Stressabschirmung sind daher essenziell, um die körperliche und psychische Integrität dieser vulnerablen Patientengruppen zu schützen.

Sicherheitsprinzip: Primum non nocere

Aber: Aus der Schmerztherapie darf auch keine Gefahr erwachsen (Primum non nocere)! Die S2k-Leitlinie „Medikamentensicherheit bei Kindernotfällen“ [2] stellt fest, dass prähospital  nur eingeschränkte Expertise und Instrumente für Kinder mit schwerwiegenden Grunderkrankungen vorgehalten werden können (z. B. Fiberoptiken). Daher kann die Versorgung nicht auf demselben Sicherheitsniveau wie die innerklinische Versorgung erfolgen. Solche Kinder zu sedieren und/oder analgetisch zu behandeln, erfordert erhöhte Vorsicht und eine zuverlässige Überwachung.

Hilfsmittel nutzen, Fehler vermeiden

Umso wichtiger ist es, hier das Pädiatrische Notfalllineal (PädNFL) zu verwenden – als erstes und einziges Hilfsmittel weltweit, für das bewiesen wurde, dass schwerwiegende Medikamentenfehler vermieden werden!


Eskalation nur bei sicherer Beherrschbarkeit

Es darf nur so weit eskaliert werden, wie potenzielle Nebenwirkungen (Atemsuppression) sicher beherrscht werden können. Bei nicht adäquater Unterstützung oder Ersatz der Atmung kann es zu Komplikationen mit Todesfolge oder schwersten Behinderungen kommen. Wenn die Voraussetzungen zum sicheren Beherrschen der Komplikationen nicht erfüllbar sind, soll eine medikamentöse Sedierung und Analgesie überdacht werden – und möglicherweise erst nach der Übernahme durch erfahrenere Strukturen erfolgen.

MERKE: Die einmalige intranasale Gabe einer adäquaten Dosis eines Opioids ist jedoch eine sichere und gut durchführbare Maßnahme auch für den unerfahrenen Behandelnden.

Die folgende Übersicht fasst die zentralen Sicherheitsprinzipien der präklinischen Akut-Schmerztherapie bei Kindern zusammen:

PädNFL: Dosierungen direkt ablesen

Auf dem PädNFL finden sich die entsprechenden Empfehlungen am Kopfende des Kindes direkt ablesbar, ohne dass weitere Berechnungen notwendig sind.

Alle Empfehlungen folgen dem oberen Dosisbereich der besten Datenbank zur pädiatrischen Pharmakotherapie, die es europaweit gibt. Sie wird von Fachexperten (ich darf auch dabei mitwirken 😉) in einem strukturierten Review-Prozess unter Berücksichtigung der aktuellen Literatur erstellt und ständig aktualisiert. Die deutsche Version davon ist das www.kinderformularium.de

Grundprinzip: titrieren statt starrer Einzeldosis

Grundsätzlich ist es so, dass manchmal auch höhere Dosen nötig werden können, als man zur initialen Dosis empfehlen kann. Daher ermutigt das Lineal zum Grundprinzip des Titrierens (der wirkungsbeobachtenden Dosisanpassung), vorsichtig auch höhere Dosen zu geben: „Alle Empfehlungen können nur durchschnittlich erforderliche Größen darstellen. Medikamente müssen, wo immer möglich, titriert werden, das heißt, es muss eine individuell auf Basis von Wirkungsbeobachtungen abgestimmte Dosisanpassung erfolgen.“

Die Grafik erklärt, wie auf dem PädNFL Dosierungen von Notfallmedikamenten für Kinder direkt abgelesen werden können – ganz ohne eigene Rechenschritte in der Stressituation und mit nachgewiesener Fehlerreduktion:

Literatur:

  1.  Kaufmann J. Perioperative Schmerztherapie bei Früh- und Neugeborenen. In: Weigand MA, Briegel J, Scharf-Janßen C et al., Hrsg. Intensivmedizin. 127. Erg. Lfg. Aufl. Landsberg: ecomed Medizin; 2025 🗎
  2. Kaufmann J, Rascher W, Neubert A et al. S2k-Leitlinie 027/071: „Medikamentensicherheit bei Kindernotfällen“. AWMF 2021 🗎

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