27. September 2026

Ersteinschätzung mit dem Pädiatrischen Beurteilungsdreieck

Wenn bei einem Säugling oder Kleinkind ein Notfall gemeldet wird, zählt der erste Eindruck. Doch: Säuglinge und Kleinkinder können kritische Zustände eine Zeit lang kompensieren, bevor sie plötzlich dekompensieren. Das Pädiatrische Beurteilungsdreieck (PBD; englisch: Pediatric Assessment Triangle, PAT) bietet eine Struktur für die Erstbeurteilung.

Innerhalb von 20–30 Sekunden werden Erscheinungsbild, Atemarbeit und Hautdurchblutung anhand sichtbarer und hörbarer Zeichen eingeschätzt – ganz ohne Hilfsmittel wie Stethoskop oder EKG-Monitor. Die Anwendung sollte lebensrettende Maßnahmen nicht verzögern. Ziel ist nicht die abschließende Diagnose, sondern das Erkennen behandlungsbedürftiger Probleme.

Die drei Seiten des Dreiecks

A – Äußeres Erscheinungsbild / Bewusstseinslage (Appearance)

Beurteilung anhand des Akronyms TICLS:

  • Tonus (Muskelspannung und Bewegungen)
  • Interaktion (Reaktion auf Umgebung und Eltern)
  • Consolability (Tröstbarkeit – lässt sich das Kind beruhigen?)
  • Look / Blick (Fixiert das Kind seine Umgebung oder starrt es ins Leere?)
  • Speech / Schreien (Spricht oder schreit das Kind, oder ist es auffällig ruhig?)
B – Atmung / Atemarbeit (Breathing)

Beurteilt werden sichtbare und hörbare Zeichen erhöhter Atemarbeit:

  • Auffällige Atemgeräusche: Stridor, Keuchen, Giemen
  • Einziehungen und Nasenflügeln
  • Abnorme Körperhaltung (z. B. Schnüffelstellung, Aufstützen)
C – Hautdurchblutung / Hautfarbe (Circulation)

Veränderungen der Hautperfusion weisen auf Kreislaufprobleme hin:

  • Blässe (weiße/blasse Schleimhäute)
  • Marmorierung (gefleckte Verfärbung durch Vasokonstriktion/-dilatation)
  • Zyanose (bläuliche Verfärbung von Haut und Schleimhäuten)

Befundkombination

Die Kombination der drei Kriterien erlaubt oft eine erste Einordnung des Zustands zu einem Problemkomplex:

Zur Beurteilung von Atmung und Kreislauf können und sollten zusätzlich die altersentsprechenden Normwerte aus dem pädiatrischen Notfalllineal abgelesen und berücksichtigt werden.

MERKE:

Kinder können kritische Zustände lange kompensieren, bevor sie plötzlich und unerwartet dekompensieren. Eine kontinuierliche Reevaluation während Transport und Behandlung ist daher unbedingt erforderlich!

Literatur:

  1. Platt R, Priddis K, Lawton B et al. Identification of sick children in acute care settings. Pediatric Medicine 2023; 6: 5–5, DOI: 10.21037/pm-21-54
  2. Flake F. Einfach und praktisch: das pädiatrische Beurteilungsdreieck. Notfall + Rettungsmedizin 2020; 24: 854–857, DOI: 10.1007/s10049-020-00805-5

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